OGRE and Dallas Campbell - All Hallows' Album Review
4.7Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)

Licht aus, den Lautstärkeregler auf Maximum gedreht – Atmosphäre pur. Nach der Space-Opera „Beyond the Infinite“ begeistert mich das Duo OGRE und Dallas Campbell aufs Neue. Diesmal allerdings nicht mit dem Soundtrack zu einem Sci-Fi-Abenteuer, sondern dem zu einem 80s-Horrorfilm, der nie existierte.

OGRE and Dallas Campbell verstehen es, sowohl bestehende als auch fiktive Filme herausragend mit stimmungsvoller Musik zu unterlegen. So ist „All Hallows‘“ Horror und pure Emotion in einem. Und was das Duo bei all der Perfektion nie vergisst, ist dieses manchmal unperfekte 80s-Feeling, das sich durch unerwartete Effekte oder Sequenzen außerhalb des Takts manifestiert.

„Beginnings of Decay (Prologue)“ führt uns in die Geschichte ein, die sogleich als unheilvoll und bedrückend wahrgenommen wird, während wir mit „Last Rays of Daylight“ schnell wieder Hoffnung schöpfen. Die Ungewissheit verfliegt dank der mitreißenden Melodie, beinahe schon möchte man sich in Sicherheit wähnen. Doch „Tomorrow’s Headline“, irgendwie eine Mischung aus „Blade Runner“ und Horrorfilm, rüttelt wieder gewaltig am Nervenkostüm. „All Hallows'“ weiß bereits zu diesem Zeitpunkt geschickt mit den Emotionen zu spielen.

Auch „Anonymous Letter“ bietet „Blade Runner“-Atmosphäre par excellence, wenn auch perfekt auf dieses Album abgestimmt. Die Sphären übernehmen bei diesem Track einmal mehr das Ruder, sodass man die Atmosphäre in einer Art Schwebezustand wahrnimmt. „Woodland Path“ hingegen wirkt wieder deutlich unruhiger. Ich stelle mir gerade jemanden vor, der in einem dunklen Wald Zuflucht sucht – das Paradebeispiel für außerordentlich dumme Verstecke, wenn man von einem Psychopathen verfolgt wird. Mit „Sigils“ scheint dieser Irre dann noch einen Schritt näher gekommen zu sein. Er könnte nun hinter jedem Baum lauern, die beinahe schon wahnsinnig machenden Stick-Schläge im Hintergrund bescheren mir jedes Mal aufs Neue Gänsehaut.

„Demented Mantra“ ist einmal mehr extrem stark ausgefallen. Die Melodie, erneut irgendwo zwischen Horrorfilm, „Blade Runner“ und anderen Sci-Fi-Filmen, reißt ab dem ersten Ton mit. Dazu der treibende und wuchtige Beat – ein absolutes Vergnügen. Auch „Followed“ kann mit einer großartigen Melodie überzeugen, baut dabei aber auf bereits bekannte Elemente des Albums auf. Hier ist einmal mehr hervorzuheben, wie perfekt die einzelnen Tracks ineinander greifen, ohne jedoch allzu ähnlich zu klingen. OGRE and Dallas Campbell bauen in der Tat eine Geschichte mit unzähligen Facetten auf. Diese nimmt daraufhin einmal mehr Fahrt auf. „Lockstep“ startet ruhig, entwickelt sich aber mehr und mehr zu einem treibenden und nervenaufreibenden Abenteuer, nur um schlussendlich im puren Horror zu enden: „Of Terror“ ist so grausam wie schön – ein Meisterstück der guten alten Horrorschule. Als ich diesen Track mit Kopfhörern im abgedunkelten Zimmer hörte, musste ich mich doch tatsächlich hin und wieder umsehen, ob da nicht jemand hinter mir steht.

Ein weiteres der zahlreichen Highlights dieses Albums ist „Silhouette“, das eines der Main-Themes des Albums aufgreift und dieses mit treibenden Beats unterlegt. „Rabbit Run“ und „Carve“ gehen dabei wieder einen anderen Weg, mehr in Richtung „Of Terror“, wenn auch nicht gar so grausam. Die Horrorelemente stehen dennoch ganz klar im Vordergrund – Gänsehaut ist also vorprogrammiert.

Auch sehr stark sind die „End Credits“ ausgefallen, ein klein wenig in Richtung Happy End, ob nun für den Psychopathen oder Verängstigten – das bleibt eurer Fantasie überlassen. Ich sehe vor meinem geistigen Auge den Killer in einem wunderschönen Chevrolet davonfahren, in eine neue Stadt oder gar einen neuen Bundesstaat, um dort erneut auf die Jagd zu gehen.

Während „Today’s Headlines“ hörbar überzeugend von den Geschehnissen berichten, darf der Epilog von „All Hallows'“ noch einmal die Besonderheiten dieser großartigen Leistung herausstellen. Und genau das ist es: Eine Meisterleistung. „All Hallows'“ eignete sich hervorragend für einen Horrorfilm der 80s, gerne aber auch für einen Klassiker der Neuzeit. Bei letzterem denke ich beispielsweise an „It Follows“. Hoffentlich wird das Duo bald von ein paar Produzenten entdeckt!

Und bevor ich es vergesse: Zu den Tracks erhaltet ihr beim Download auch ein PDF mit einer 4-seitigen, sehr gut geschriebenen Geschichte, die das Album/den Soundtrack hervorragend ergänzt.

OGRE and Dallas Campbell – All Hallows‘ Download/Stream

  • bandcamp

OGRE and Dallas Campbell – All Hallows‘ Tracks/Rating

TracksLängeRating
1. Beginnings of Decay (Prologue)02:03
2. Last Rays of Daylight05:23
3. Tomorrow's Headline05:00
4. Anonymous Letter02:47
5. Woodland Path03:42
6. Sigils02:51
7. Demented Mantra03:42
8. Followed02:58
9. Lockstep02:54
10. Of Terror03:21
11. Silhouette02:34
12. Rabbit Run03:01
13. Carve07:11
14. End Credits03:20
15. Today's Headlines01:57
16. All Hallows' (Epilogue)02:30

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