Interviewing… Back To 84

— English text below —

1. In der Synthwaveszene sind Sie als Back To 84 bekannt. Allerdings kennt kaum jemand die Person hinter diesem Künstlernamen. Wer sind Sie und was zeichnet Sie aus?
Ich heiße Matias, bin Argentinier und 1984 geboren. Schon in jungen Jahren habe ich mich für Musik interresiert, habe aber erst mit 18 Jahren begonnen selber zu musizieren. Ich habe als Hobby angefangen Bassgitarre zu spielen, egal ob mit Freunden in einem Keller Punkmusik oder später ab und zu in einer 80´s Hard Rock Coverband.
In diesen Jahren habe ich viel Musik komponiert, aber die Schwierigkeiten auf einen gemeinsamen Nenner mit anderen zu kommen und meine eigenen beschränkten Fähigkeiten führten damals dazu, dass ich die Musik erst einmal bei Seite legte. Das ich introvertiert bin half natürlich auch nicht besonders. Als ich jedoch so im Jahre 2012 Synthwave für mich entdeckte, merkte ich, dass es doch Gleichgesinnte gibt und einen Platz für mich und meine Musik. Aber der mir eigene Perfektionismus hielt mich davon ab etwas zu veröffentlichen, da ich immer dachte meine Musik sei, egal ob im Hinblick auf meine musikalischen Fähigkeiten oder die verwendete Technik, nicht gut genug. Obwohl ich Sorgen hatte wegen meines Perfektionismus (oder vielleicht auch umgekehrt), entschied ich mich nun dafür meine Musik zu veröffentlichen. Mir war bewußt, mein Werk ist nicht perfekt, aber das ist für mich nun in Ordnung.
Mein erstes Album Sunset habe ich im Januar dieses Jahres veröffentlicht. Ein ziemlich heterogenes Album, welches größtenteils etwa 10 Jahre alte Kompositionen enthielt, die von mir aufgefrischt und im Synthwavestil neu arrangiert wurden, da es sich ursprünglich um Hard Rock bzw. AOR handelte. Durch dieses Album konnte ich ein Kapitel meines Lebens schließen und ein Neues beginnen. Nach der Veröffentlichung von Sunset habe ich beharrlich weiter gearbeitet und schon zwei Monate später konnte ich mein neues Album Into The Night veröffentlichen. Zur Zeit konzentriere ich mich darauf meine Mixing- und Masteringtechniken zu verbessern und freue mich über Rückmeldungen zu meinen beiden bisherigenAlben, bevor ich wieder in das Jahr ´84 reise um neue Musik zu schreiben.

2. Was bewegt Sie dazu Musik zu machen? Was inspiriert Sie, was motiviert Sie und was wollen Sie mit Ihrer Musik zum Ausdruck bringen?
Ich denke, viele Künstler haben einen großen Einfluss von anderen elektronischen Musikgenres, egal ob Trance, House, Dance, etc., was nachvollziehbar ist, denn Synthwave ist ja auch ein modernes elektronisches Genre, aber das ist bei mir nicht der Fall. Ich habe keine modernen Einflüsse (ich würde sagen, dass meine neuesten Einflüsse aus den frühen 90ern stammen), also benutze ich elektronische Musik als ein Mittel, um meine Liebe für die 80er Jahre Musik im Allgemeinen auszudrücken, egal ob mit elektronischen Elementen oder nicht.
Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher, ob es etwas gibt, dass ich als Künstler ausdrücken möchte (zumindest denke ich nicht, bevor ich Musik komponiere), außer meiner Gefühle. Musik zu machen ist der beste Weg dafür, den ich kenne. Ich liebe es und ich brauche das auch. Es hilft mir, aus meinem Kopf herauszukommen und mich zu erden, ein besseres Gleichgewicht zu haben. Es ist wirklich äußerst wichtig für mich und deshalb teile ich es mit der Öffentlichkeit, in der Hoffnung, dass es sich für jemanden anderen lohnt. Meine Lieblingsmusikgenres sind AOR und Hard Rock, aber ich höre auch viele andere Genres wie Power Pop, Synth Pop, New Wave, Post Punk, 70er und 80er Jahre Pop & Rock und ich habe eine Schwäche für alles was mit Synths zu tun hat. Als Künstler habe ich meinen Stil nicht genau definiert und das habe ich auch nicht vor. Es wird immer einige Kernelemente geben, die mit dem sehr starken Einfluss der 80er zusammenhängen (Nostalgie, Optimismus, Einfachheit, Melodien, große Hooks, etc.).

3. Synthwave wird wie bei den Meisten im Genre ein wichtiger Teil Ihres Lebens sein. Wie kam es dazu und was bedeutet Synthwave, Musik allgemein, für Sie?
Ich stecke in den 80ern fest und das wird sich auch nicht mehr ändern. Das hält mich aber nicht davon ab, moderne Musik zu genießen. Aber wenn ich andere Musik höre, ganz gleich welches Genre, dann fehlt mir immer etwas oder entspricht nicht meinem Geschmack, so dass ich immer in die 80er zurückgehe und nach mehr Juwelen, unveröffentlichte Demos oder was auch immer aus der Zeit suche, um meine Musikbesessenheit zu stillen.
Eines Tages (ich glaube, es war 2012) suchte ich nach mehr magischen und alten Sachen, und stolperte über „The Danger“ von Kristine und „Early Summer“ von Miami Nights 1984, in welche ich mich sofort verliebte (beide Künstler sind immer noch meine Favoriten) . Es war ein tolles Gefühl zu erkennen, dass ich doch irgendwo hingehörte, dass ich nicht der letzte Überlebende einer ausgestorbenen Spezies war.
Synthwave ist dafür verantwortlich. Es ist mehr als ein Genre für mich, nämlich ein Weg mich in der Gegenwart mit der Musik zu verbinden, die ich in der Vergangenheit zu lieben gelernt habe und das macht Synthwave viel wichtiger als jedes anderes Musikgenre.

4. Die glorreichen 80er, was für ein Jahrzehnt! Was ist Ihr persönlicher Bezug zu den 80ern und was fasziniert Sie an dieser Dekade am Meisten?
Ich habe meine Jugend in den 90ern durchlebt. Ich bin mit MTV aufgewachsen, als es noch ein Musiksender war, und auch mit dem Radio. Ich genoss die Energie der frühen 90er Jahre Musik(ich höre immer noch einige Grunge / Rock-Künstler aus dieser Zeit), aber die Musik begann sich mit jedem Jahr mit wenigen Ausnahmen irgendwie apathisch an zu fühlen.
Auf der anderen Seite fühlte ich mich jedes Mal, wenn ich mir Rückblendne in die 80er Jahre ansah, in den „Labyrinth“ -Film versetzt, eine unglaubliche Welt der Fantasie und Illusionen, die mich erfolgreich aus der Realität herausführen konnte. Es musste nicht unbedingt optimistisch sein, denn ich liebe auch die frühen 80er New Wave, Post Punk und Gothic Rock (sogar den späten 70er Punk), die zwar nicht besonders optimistisch waren, aber größtenteils auch nicht alltäglich. Und selbst wenn manches einfach gestrickt war, so gab es immer ein großes Gegenteil bezüglich der morlischen Haltung und der Melodie. Dasselbe kann über Filme aus der Zeit gesagt werden.
In den 80ern ging es um Möglichkeiten, es gab keine Grenzen, egal ob man sich vorstellen wollte, dass es jeden Tag Sommer war und voller Optimismus war oder in völlige Dunkelheit und Dystopie versunken war. Der träumerische Aspekt war sehr groß. Ich betrachte mich selbst als Träumer und finde mich deshalb in den 80er Jahren wieder.

5. Ein zentraler Bestandteil des Zeitgeistes der 80er war der Blick in die Zukunft. Heutzutage ist dem leider nicht mehr so. Wie ist Ihr Blick, was sind Ihre Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft?
Als Träumer bin ich die meiste Zeit an der Zukunft interessiert und nostalgisch gegenüber der Vergangenheit. Ich denke, das war auch in den 80er Jahren der Fall mit einer Generation, die bezüglich der 60er nostalgisch war und von den 00’ern träumte. Ich denke, es hat etwas damit zu tun, idealistisch zu sein und leicht von der Gegenwart enttäuscht zu sein. Ich denke, dass in den 90er und 00er Jahren kein Platz für die Zukunft war, aber ich habe das Gefühl, dass sich das in den letzten Jahren verändert hat (möchte ich jedenfalls glauben).
Moderne Technologien ermöglichen es uns außerdem, Musik (und viele andere Dinge) so zu kreieren, zu produzieren und zu teilen, wie es niemand vor 30 Jahren auch nur zu träumen wagte. Das eröffnet neue Möglichkeiten, die Welt zum Besseren zu verändern, Frieden zu haben, zu spielen, zu lieben und zu träumen, also hoffe ich auf eine Zukunft, in der diese Möglichkeiten / Vorteile für alle da sind.

Vielen Dank für das Interview!

— English text —

1. In the Synthwave scene you are known as Back To 84. However, hardly anyone knows the person behind this alias. Who are you and what is characterising for your persona?
I’m Matias, from Argentina, born in 1984. I was into art from a young age though I did not get to play music until I was 18. I learned to play bass guitar almost decently which I did as a hobby with friends whether it was playing Punk in a basement or eventually in some 80’s/Hard Rock cover band.
During those years I was very active composing music, but difficulties finding common ground with other people and my technical limitations made me put music aside due to frustration. Being a very introverted/shy person did not help either. Discovering Synthwave around 2012 was a big change because I realized there was a place for me and my music. But perfectionism kept me from finishing anything, thinking that it was never good enough, whether it was the technical aspect or the production quality. Although perfectionism made me afraid (or maybe the other way around) of sharing my music, this time I changed my mind. I knew it wasn’t perfect and that was fine.
I released my first album (Sunset) in January 2018. A pretty heterogenous album, consisting of some songs dating from around ten years ago, updated and rearranged for Synthwave (some of those where originally thought as Hard Rock/AOR songs). This album meant closing a stage in my life and moving on. After “Sunset” I kept creating music out of inertia and only two months later I was releasing my second album (Into The Night). Nowadays I am focused on learning more about mixing/mastering and receiving feedback before going back to ‘84 to create more music.

2. What stirrs you to make music? What inspirates you, what motivates you and which message do you want to send with your music?
I guess many artists have a big modern electronic influence whether it is Trance, House, Dance, etc., which makes sense with Synthwave being a modern electronic genre but thst is not the case for me. I do not have any modern influence (I would say my latest influences are from the early 90’s) so I use electronic music as a vehicle for expressing my love for the 80’s music in general whether it has electronic elements or not.
To be honest I am not sure there is something I want to express as an artist (at least not something I think/plan before composing music) but I’m sure I want to express my emotions, put them out there, and making music is the best way that I know of. I love it and I really need it at the same time. It helps me to get out of my head and to ground myself having a better balance. That is how important it is for me and I share it hoping that it is worth for someone too. My favorite music genres are AOR and Hard Rock, but I listen to many other genres like Power Pop, Synth Pop, New Wave, Post Punk, 70’s and 80’s Pop & Rock and I have a weakness for anything synth related. As an artist I havenot defined my style and is not something I am looking for. I will always have some core elements which are related to a very strong 80’s influence (the nostalgia, optimism, simplicity, melodies, big hooks, etc.).

3. Synthwave assumingly is a big part of your life, as it is for most others in the genre. How did that develop and what means Synthwave, music in general, to you?
I am stuck in the 80’s, and I have been since forever. It does not stop me from enjoying modern music but while I might appreciate and enjoy music regardless of the genre or era I usually find that something is lacking or not clicking for my taste so I always end up going back to the 80s searching for more unknown gems, unreleased demos or whatever rarity to satiate my music obsession.
One day (I guess it was 2012) searching for more magical and ancient stuff I remember stumbling upon “The Danger” by Kristine followed by “Early Summer” by Miami Nights 1984 and I instantly fell in love (both artists are still my favorite). It was a great feeling realizing that I belonged somewhere, that I was not the last survivor of an extinct species.
Synthwave is responsible for that. It is not only a genre for me but a way to connect to the present with the music I love from the past and this makes Synthwave much more important to me, than any other music genre.

4. The glorious 80´s, what a decade! What is your personal relation to the 80´s and what fascinates you most about this decade?
I lived my youth in the 90’s. I was raised by MTV, when it was still a music channel, and by the radio. I enjoyed the energy of the early 90’s (I still listen to some Grunge/Rock artists from that era) but music started to feel kind of apathetic to me with each passing year with very few exceptions.
On the other hand, everytime I watched a flashback of the 80’s it felt like entering the “Labyrinth” movie, an incredible world of fantasy and illusions that would succesfully take me out of reality. It did not have to be optimistic because I also love the early 80’s New Wave, Post Punk and Gothic Rock (even the late 70’s Punk) which was not particularly full of optimism but for the most part it did not feel mundane. And even if it was simplistic it had a big counterpart of attitude and melody. The same can be said about movies.
The 80’s were all about possibilities, there was no limit whether you wanted to imagine it was summer every day of the year and be full of optimism or immerse yourself in complete darkness and dystopia. It was dreamy for the most part. I consider myself a dreamer and I resonate with the 80’s because of that.

5. A core element of the 80´s zeitgeist was the future. Unfortunately it is not a core element of nowadays zeitgeist anymore. What are your expectations and hopes for the future?
As a dreamer I am most of my time going back and forth intrigued about the future and nostalgic about the past. I guess that was the case in the 80’s with a generation who was nostalgic about the 60’s and dreamed about the 00’s. I guess it has to do with the notion of being idealistic and easily disenchainted with the present.
I think that in the 90’s and 00’s there was no place for the future in my opinion but I feel like it has been changing in the last years (at least I want to believe that).
Modern technologies allow us to create, produce and share music (and many other things) in a way that nobody would have dreamed of 30 years ago. This opens new possibilities to change the world for the better, to be able to have peace, to play, to love and to dream, so I hope for a future where these possibilities/benefits are available to everybody.

Thank you very much for the interview!

Die Musik von Back to 84

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