Back To 84 - Sunset Album Review
4.0Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)

1984, was für ein Jahr! Reagan war der 40. Präsident der USA, Deutschland hatte mit Kohl einen Kanzler, der seinem Volk wenigstens ansatzweise verbunden war, im Kino flimmerten absolute Kracher wie Terminator, Beverly Hills Cop und Ghostbusters über die Leinwand, im Radio lief Synthwave der ersten Stunde, Männer waren verrückt nach Frauen wie Brooke Shields, Kim Basinger oder der ersten afro-amerikanischen „Miss America“ Vanessa Williams, Soullegende Marvin Gaye wurde von seinem eigenen Vater erschossen, Donald Duck wurde nach 40 Jahren, im Range eines „Buck Sergeant“, aus der US Armee entlassen, die CIA kaufte die Rechte an George Orwells 1984 (sic), zu Geburtstagen oder Weihnachten gab es LEGO oder Transformers, wenn man viel Glück hatte vielleicht sogar einen C64 oder ein BMX und, last but not least, Liechtenstein führte das Wahlrecht für Frauen ein… 1984.

Klingt komisch? War aber so!
Ach ja, und bissiger Humor war damals auch noch durchaus üblich:

My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.

Ronald Reagan während eines mic checks witzelnd, 1984.

Widmen wir uns dem hier zu besprechenden Debutalbum namens „Sunset„, des argentinischen Künstlers Back To 84. Das Album, welches ein schönes und thematisch passendes Titelbild hat, teilt sich für mich in drei grundsätzliche Gangarten: Die Harten, die Zarten und die so dazwischen.

Die Harten
Den Auftakt macht Heavy Cargo, dessen wabernder Bass, kombiniert mit den dramatischen, düster-spannenden Synths so daher kommt als Sitze man hoch oben auf einem 40-Tonnen Truck und donnere die Panamericana herunter. Da kommt ein richtig Kris Kristoffersen mäßiges Convoy gefühl auf. Ihr kennt Convoy nicht? Anschauen!
Wem der Sound gefällt, der hört am Besten gleich das dritte Lied des Albums Keep Runnig, welches sich von den Synths, dem Arrangement und somit auch vom transportierten Convoy-Gefühl her perfekt anfügt. (Wer das Wortspiel findet, darf es behalten =)
Auch Stranger und Subway City kommen im eher harten, leicht rocklastigen Gewand daher. Ähnliche Arrangements, ähnliche Synths auch hier, und von daher bilden für mich die Harten eine Art Mini-Soundtrack zu einem Convoy Sequel oder Reboot, welches zwar nicht existiert oder geplant ist, aber das macht ja nichts. Als eingefleischte Synthwaver kennt ihr das Soundtrack-zum-nicht-existierenden-Film-Schema ja schon und wer weiß, vielleicht lässt sich ja jemand dadurch zu einem kleinen Filmprojekt inspirieren? Ich bin mir sicher, Sam Peckinpah hätte der Sound bestimmt gefallen. Die Harten, welche eigentlich gar nicht so hart sind, jedenfalls gut gelungen.

Die Zarten
Wenn die Harten gut gelungen sind, dann sind die Zarten sehr gut gelungen, mindestens.
Den Auftakt der Zarten macht das zweite Lied auf Sunset, I´m Loosing You.
Ein wirklich prächtiges Lied. Ebenso schön, wie traurig. Der Titel könnte nicht besser zur Musik, die Musik nicht besser zum Titel passen. Wer in seinem Leben schon mal eine geliebte Person verloren hat, wird es bestimmt nachempfinden können. Wie viele, habe auch ich schon geliebte Personen verloren. Hätte ich meine Gefühle mit Musik zum Ausdruck bringen können, sie hätten geklungen wie I´m Loosing You. Ein bittersüßes Lied, welches mich richtig mitnimmt. Personal favourite!

Mit Special Christmas geht es mir ganz ähnlich. Auch ein sehr schönes Lied, etwas für´s Gefühl, wie man so schön sagt. Allerdings nicht so traurig wie I´m Loosing You, sondern mit einer wohligen, melancholischen Wärme ausgestattet. Die Synths kommen getragen daher und verleihen dem ganzen Lied eine winterliche Atmosphäre, deren emotionaler Höhepunkt für mich das mit Glocken untermalte Saxophon-Solo ist. Sehr schön! Erinnert mich an viele wunderbare Heilige Abende mit meinen Eltern und der Familie. Für immer vergangene, aber unvergessene, Zeiten.

Die so dazwischen
Was bleibt? Schauen wir mal. Da wäre zum Einen Beverly Hills, ein locker und cool daher kommendes Stück, leicht poplastig, das glatteste Lied auf Sunset. Dann wäre da noch Girls of Summer. Auch hier wieder, netter Synthpop mit einem träumerischer Hook. Positiv, warmherzig. So wie Mädels halt so sind, wenn die Sonne scheint. Gefällt!
Außerdem wäre da noch Sun Will Rise. Vielleicht das Lied, welches mich am wenigsten begeistert, aber trotzdem solide klingt und genau das bietet, was der Name suggeriert. Ihr habt eine harte Phase hinter euch? Keine Sorge, Sun Will Rise! In Konkurrenz zum Rest des Albums fällt es meines Erachtens ein wenig ab, aber Piano- und Saxophonsounds gefallen mir wirklich gut.
Des Weiteren wäre da noch der Midnight Run. Klingt zunächst stark nach den Harten, nach Convoy, aber aufgrund der gefälligen Hook ist es in dieser Kategorie gelandet, auch wenn es theoretisch das Happy-End-Outro-Lied unseres „Convoy“ Soundtrack sein könnte.

Alles in allem ist Back To 84 mit Sunset ein wirklich gutes Debut gelungen. Knapp eine Stunde lang kann man coolen und entspannten Retrosynthklängen, die ab und zu pop-, des öfteren rocklastig sind, versinken und eine akustische Reise in das Jahr 1984 unternehmen. Dabei merkt man in jeder einzelnen Minute die Liebe des Künstlers zu den 80er Jahren. Da das Album keine Innovationen mit sich bringt und der Sound bei den Harten sich dann und wann ähnelt, gibt es zwei Abzüge und somit eine absolut wohlverdiente 4,0. Ein tolles Debut, wie ich finde!

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Back To 84 – Sunset Download/Stream

  • bandcamp

Back To 84 – Sunset Tracklist & Highlights

1. Heavy Cargo 03:43
2. I’m Losing You 04:58
3. Keep Running 03:52
4. Stranger 04:49
5. Beverly Hills 04:34
6. Girls of Summer 03:38
7. Subway City 05:14
8. The Sun Will Rise 05:05
9. Midnight Run 03:53
10. Special Christmas 05:19

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