neon shudder - Cadence Album Review
3.5Gesamtwertung
Leserwertung: (6 Votes)

Mit „Cadence“ präsentiert uns der junge Künstler neon shudder nicht nur ein Cyberpunk-Album mit manchmal stärkeren, manchmal schwächeren Synthwave-Einschlägen, sondern zudem eine eigens verfasste Geschichte, die erst im Zusammenspiel mit den Tracks ein großes Ganzes ergibt. In der Tat ist es so gedacht, dass jedes der 20 Kapitel durch einen Track gestützt wird oder umgekehrt, da bin ich mir immer noch nicht so ganz sicher. Eines weiß ich jedenfalls: „Cadence“ funktioniert allen voran in der Kombination sehr gut.

Die Story rund um die fiktive Cyberpunk-Insel/Stadt Cadence im Jahr 2254 handelt von diversen Mordfällen und einer Gruppe von jungen Detektiven, die diesen nachgehen. Ich muss zugeben, dass mich das zweite Talent des Künstlers zum Teil beeindruckt hat. So manch eine Passage begeisterte mich sowohl durch den Inhalt als auch den Schreibstil. Allerdings schreibt neon shudder aka jhm oftmals ein wenig zu flapsig, ganz im Sinne der Jugendsprache. Zwar wurde damit nicht zu jeder Zeit mein Geschmack in Sachen Storytelling getroffen, aber ich bin mir dennoch sicher, dass die Geschichte durchaus ihre begeisterten Leser finden wird.

Die Story und Tracks werden zudem durch zahlreiche, wirklich erstklassige Zeichnungen gestützt, die einem diese geschaffene Cyberpunk-Welt noch einmal versinnbildlichen. Und ist man gedanklich erst einmal in dieser Welt angelangt, erfährt man mit „Cadence“ eine außergewöhnliche Reise. Dennoch muss ich noch einmal darauf eingehen, dass die beiden Werke zwar durchaus getrennt voneinander funktionieren, aber eben nicht mehr ganz so gut. Das Album auf sich allein gestellt ist in mehrerlei Hinsicht einzigartig. So gefallen diverse Tracks und die darin enthaltenen Sounds und Effekte außerordentlich gut, während so manch ein anderer Track für Gänsehaut sorgt, und das nicht immer im positiven Sinne.

„Cadence“ beginnt mit dem durchaus ansprechenden Intro „The City in the Ocean“, das mit einer tollen Atmosphäre begeistern kann. Doch während Melodie und Atmosphäre soweit stimmen, fällt die klangliche Qualität beim Einsetzen des Drums eher negativ auf. So sorgen Cymbal-Schläge dafür, dass der Rest des Tracks kurzzeitig leiser wird – ein äußerst unschöner Effekt.

Nach „The City in the Ocean“ folgt eines meiner persönlichen Highlights des Albums: „Welcome to Cadence (Feat. Joselynn Monserrate)“. Hier stimmen sowohl die Melodie als auch die gelungen-roboterhafte Stimme. Doch selbst bei diesem Highlight gibt es das eine oder andere Problem. Zum einen wirkt der unschöne Effekt, den ich auch schon bei „The City in the Ocean“ beobachtete/hörte, für Verdruss. Zum anderen werden derartige Effekte oftmals viel zu laut eingesetzt, sodass beim Hören über hochwertige Kopfhörer durchaus Herzinfarkt-Gefahr besteht.

Bevor ich mit der Wertung einiger weiterer, ausgewählter Tracks fortfahre, möchte ich erwähnen/warnen, dass sich dieses Leiserwerden der Melodien im Hintergrund beim Einsetzen von Schlägen, Cymbals oder Effekten quasi komplett durch das Album zieht.

Track 3 nennt sich „Go! Go! Go!“ und ist einer der furchtbarsten Ohrwürmer, die ich jemals hören durfte. Diese Trompetenmelodie ist derart grauenhaft, dass man sie für lange Zeit nicht aus dem Kopf bekommt. Ich muss ehrlich sein: Das war nichts.

„Galvanized“, der 5. Track des Albums, drückt gehörig auf die Tube und klingt dabei so bedrohlich wie treibend. neon shudder macht hiermit so einiges richtig! Ebenso weiß der Künstler mit „Satellite Collector“ zu überzeugen. Beide Tracks funktionieren auch auf sich allein gestellt ganz wunderbar.

Mit dem dystopischen „Follow the Trail of Blood“ tue ich mich jedes Mal aufs Neue schwer. Der Track mag vielleicht einen ohrenbetäubend-einzigartigen Bassdrum besitzen, entwickelt sich aber auch zu einem undurchschaubaren Gewirr aus Melodien, Effekten und Chor-Klängen.

„Ghost’s Gallery“ gefällt mir aufgrund seiner Synthwaveverbundenheit ziemlich gut. Hier beweist neon shudder nach einigen Ausrutschern sein Händchen für durchweg gute Melodien.

Mit „Desperate Measures“ möchte ich die Trackeinzelwertung sowie das Review abschließen. „Desperate Measures“ ist der notwendige Adrenalinschub, der den Hörer gleichermaßen aus Gedanken und Missmut reißt. „Cadence“ ist ein unglaubliches Wechselbad der Gefühle. In Kombination mit der Story mag das Album durchaus seine Daseinsberechtigung haben. Auf sich allein gestellt allerdings muss man diesen Stil schon sehr mögen. Zumal ich mich allen voran an zahlreichen Unsauberheiten störte. An allen Ecken und Kanten fehlt irgendwie der Feinschliff. Zudem hat man, obgleich der Künstler durchaus das Potential hätte, beständig das Gefühl als wäre der eine oder andere Track zu schnell zusammengemischt und als Erledigt abgestempelt worden. Schade, da es sich bei „Cadence“ um ein Album mit teils verspieltem Potential handelt.

neon shudder – Cadence Download/Stream

  • bandcamp

neon shudder – Cadence Tracks/Rating

TracksLängeRating
1. The City in the Ocean02:20
2. Welcome to Cadence (Feat. Joselynn Monserrate)03:42
3. Go! Go! Go!02:11
4. Risk and Reward02:18
5. Galvanized04:02
6. The Contract02:12
7. Underworld // Underground02:40
8. Satellite Collector02:54
9. Down in the Port Market03:58
10. Follow the Trail of Blood02:12
11. Skinner03:10
12. Collision Course03:40
13. Reboot03:13
14. Ghost's Gallery03:22
15. Friend of the Devil02:44
16. Blind Ambition02:20
17. Loss of Words02:24
18. Desperate Measures05:05
19. Aftermath03:16
20. 5 Years Later03:24

Album cover art: Vincentius Matthew (KM33.deviantart.com)

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